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Geschichte der Antarktis
Hunderte von Jahren vor der Entdeckung sinnierten die weisen Griechen über ein immenses Landstück ganz im Süden der Welt, welches angeblich das Gegengewicht für die großen nördlich gelegenen Kontinente bieten sollte. Dieses Stück Erde nannten sie hypothetisch "Antarktis", um einen Gegensatz zur "Arktis" zu bilden.Die Entdeckung
Während des 18. Jahrhunderts erschienen Reiseberichte von Forschern und Seeleuten,
welche von der Existenz einer Inselgruppe sprachen, die sich in den Südmeeren
Südamerikas befindet.
Die Navigation durch die Drake-Passage war besonders
gefährlich, da die Schiffe häufig von ihrem Kurs abkamen auf Grund der
komplizierten Navigationsbedingungen. Durch diese unfreiwillige Abwege wurden
nach und nach immer mehr Inseln entdeckt, was den Beginn der Entdeckung des
letzten Kontinentes einleitete.
Der britische Kapitän James Cook war der Erste,
der sich 1773 an die Durchquerung des antarktischen Polarkreises machte.
Jedoch durchquerte der kühne Seemann die Gewässer des Kontinentes, ohne auch
nur ein einziges Mal Land zu sichten. In seinem Logbuch wird von großen
Robben- und Walkolonien berichtet. Diese Information verleitet später Dutzende von Walfängern
zu ihren Reisen in den Süden, um sich auf die Jagd zu begeben. Bei diesen Reisen
wurde durch die Fischerschiffe insgesamt etwa ein Drittel der Inseln des südlichen Ozeans
entdeckt.
Es mag fast ironisch erscheinen, dass der Schlüsselfaktor
für die Entdeckung der Antarktis gerade in den harten klimatischen Bedingungen
zu suchen ist, auf Grund welcher die Navigation durch die Südmeere und
insbesondere durch den Südatlantik zu einem äußerst riskanten Unterfangen wurde.
Wettrennen zum Südpol
Der norwegische Entdecker Roald Gravning Amundsen, der an einer Expedition
teilnahm, welche einen ganzen Winter in der Antarktis überstand, stieß
im Jahre 1910 in Christiana (dem heutigen Oslo) in See mit dem Ziel, der
Erste zu sein, der zum Nordpol gelangen würde. Nachdem er erfuhr, dass der
Nordamerikaner Robert Peary dieses Ziel bereits erreicht hatte, entschloss
er sich als pragmatisch veranlagter Mensch zu einer Änderung seines Reiseziels
und machte sich auf den Weg in den äußersten Süden. Im Wissen über die Expedition,
die von dem Briten Robert Scott angeführt wurde, richtete der Norweger
Amundsen seine Schiffe in südliche Richtung und errichtete am 19. Oktober
1911 ein Basislager auf der Ross-Eisplattform.
Nach Klärung dieser Details machten sich Amundsen und vier seiner Begleiter
auf den Weg in Richtung Südpol, bei ihnen gewissenhaft und sorgfältig
erstellte Landkarten. Ein Großteil der Ausrüstung bestand aus mindestens
drei Ersatzteilen für jedes wichtige Werkzeug. Bestandteil der Planung war
aber auch, auf dem Wege insgesamt zehn Lager anzulegen, welche gut ausgerüstet
und gekennzeichnet werden sollten auf der Höhe des zweiundachtzigsten südlichen
Breitengrads. Am 14.Dezember 1911 erreichten Amundsen und seine Männer den
Südpol ohne größere Verzögerungen oder Schwierigkeiten als die unter diesen
Umständen zu erwartenden Gegebenheiten, und hisste am Südpol die norwegische
Flagge. Der wagemutige Endecker hinterließ an dieser Stelle ein Zelt und
einen Brief, welcher an Robert Scott gerichtet war.
Die Expedition von Robert Falcon Scott startete im November 1910 in Neuseeland,
aber seine Gruppe von 5 Männern begann die fatal endende Expedition zum
Pol erst am 2. Oktober des folgenden Jahres, bereits vorgewarnt und in
Kenntnis der Pläne des Norwegers. Die schwierige Reise endete am Südpol,
um dort nur voller Verzweiflung festzustellen, dass ihre Rivalen mit nur
23 Tagen Vorsprung vor ihnen angekommen waren.
Shackleton und die Durchquerung der Antarktis zu Fuss
Bevor Scott und Amundsen den Südpol erreichen konnten, war es bereits der
englische Entdecker und Abenteurer Ernest Shackleton, der von sich behaupten
konnte, derjenige zu sein, der am weitesten in den Süden vorgedrungen war.
Nach den Erfolgen der norwegischen und britischen Expeditionen plante er,
verletzt in seinem Stolz, die Durchquerung der Antarktis von einem Ende
zum anderen, um somit seine Ehre wiederzuerlangen. Er heuerte eine Mannschaft
an, rüstete sein Schiff mit der größtmöglichen Menge an Ausrüstung für die
Sicherheit und dem Überleben im Eis aus und stach daraufhin am 1. August
1914 mit insgesamt 21 Seeleuten in See.
Im Januar erreichte sein Schiff "Endurance" die unheilvolle Weddell-See.
Bevor sie das Schiff jedoch überhaupt verlassen konnten, blieb es schon
im Eis des Antarktischen Meeres stecken. Das Schiff sank darauf im November
des gleichen Jahres. Die Besatzung war nicht mehr in der Lage, die Rettungsboote
oder genügend Proviant zu bergen, bevor sie sich selbst in letzter Minute
auf die Walrossinsel retten konnte.
Angesichts dieser aussichtslosen Lage entschied sich Shackleton dafür,
ein Notlager für seine Männer zu errichten und die mehr als 1300 km bis
nach Südgeorgien zurückzulegen, welches der nächstgelegene bewohnte Ort war.
Die einzige Aussicht auf ein Überleben befand sich in den Walfangstätten im
Norden der Georgieninsel. Diese mühevolle Reise musste in dem nur 7m langen und 2m breiten Boot
"James Caird" zurückgelegt werden. Trotz der widrigen
klimatischen Verhältnisse des Winters und der Tatsache, dass das antarktische
Meer als eines der stürmischsten weltweit gilt, konnten Shackleton und
seine 5 Männer im April 1916 ihr Ziel erreichen.
Trotz mehrerer Rettungsversuche durch andere Schiffe war es erst im August
des gleichen Jahres, dass Luis Pardo Villalón die endgültigen Rettungsarbeiten
einleitete an Bord des Schleppdampfers "Yelcho". Das Schiff hatte der
chilenischen Marine in ungezählten Einsätzen in chilenischen Küstengewässern
gedient, war jedoch völlig ungeeignet für eine Reise in die Antarktis.
Nur der Kühnheit und dem Mut der chilenischen Seeleute ist es zu verdanken,
dass diese unter Führung des Kapitäns Pardo bis zu den Verschollenen der
Shackleton-Expedition vordringen, diese retten und wieder auf festen
Boden zurückkehren konnten.
Moderne Zeiten
Nach dem Ersten Weltkrieg wuchs das Interesse an der Antarktis. Die
Forschungstätigkeiten intensivierten sich und der Kontinent wurde kartografiert,
untersucht und territorial zwischen den verschiedenen Anspruch erhebenden Ländern
aufgeteilt. Im Jahre 1959 vereinbarte ein zwischen 67 Ländern
abgeschlossener internationaler Pakt die Vereinbarung eines Friedensabkommens,
welches die ernsthafte Entwicklung und Durchführung von wissenschaftlichen
Forschungsarbeiten in dieser Region fördern sollte. Als Ergebnis dieses
Abkommens liegt nun der Antarktische Pakt vor, ein in dieser Art in der
diplomatischen Welt zu diesem Zeitpunkt erstmalig verfasstes Dokument,
welches die Einrichtung von militärischen Stützpunkten verbietet, die
Legung von Minen untersagt, die Durchführung der wissenschaftlichen
Arbeiten unterstützt, die Erhaltung der ursprünglichen Flora und Fauna
zu bewahren sucht und jegliche Form der Erschließung der natürlichen
Ressourcen untersagt. Eine im Jahre 1991 als Nachtrag zu diesem Pakt
vereinbarte Bestimmung untersagt nun außerdem für weitere 50 Jahre die
Erkundung von Erdölreserven bzw. die Erschließung von bergbaulichen Lagerstätten.
Die einzigen Menschen, die dauerhaft in der Antarktis leben, sind Wissenschaftler
und Forscher, die sich in den verschiedenen Basisstationen des Kontinents befinden,
welche überwiegend in Küstennähe liegen. Biologen, Gletscherforscher,
Geologen, Ozeanografen und Meteorologen entwickeln hier ihre Studien auf
Basis eines tiefen Respekts gegenüber der absolut verschmutzungsfreien
Umgebung, in der sie sich befinden. Gegenwärtig befinden sich Wissenschaftler
aus 18 Ländern in diesen Stationen, die in einem harmonischen Zusammenleben
ihre Arbeit in den Basislagern ausführen.
